Notizen · Sanierung

Die Trennung, die ich ein halbes Jahr zu lange aufgeschoben habe

07.10.2026 · 6 Minuten · aus Entscheidungen, die ich im Nachhinein zu spät getroffen habe

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Team merkt es lange vor der Führung. Was geduldet wird, gilt als Maßstab.
  • Die üblichen Gründe für das Zögern sind fehlender Ersatz und persönliche Nähe. Beide werden mit der Zeit schlimmer, nicht besser.
  • Vor der Trennung gehört eine klare Ansage mit Frist. Wer nie erfahren hat, was fehlt, kann es nicht ändern.
  • Ein faires Gespräch ist kurz, nennt den Grund einmal und diskutiert ihn nicht. Nicht am Freitagnachmittag.

Ich habe ein halbes Jahr gebraucht für eine Entscheidung, die nach acht Wochen klar war. In dieser Zeit habe ich mir Argumente gebaut, warum es noch zu früh ist. Er sei eingearbeitet. Wir hätten gerade viel zu tun. Vielleicht liege es auch an der Einarbeitung, also an mir.

Was mich am Ende überzeugt hat, war kein Fehler von ihm. Es war ein Satz von einer Kollegin, die beiläufig fragte, ob für sie dieselben Maßstäbe gelten wie für ihn.

In dem Moment war klar, dass es längst nicht mehr um eine Person ging.

1. Warum das Zögern so verbreitet ist

In kleinen Firmen ist eine Trennung nie nur eine Personalentscheidung. Man kennt die Familie, man weiß, dass gerade ein Haus gebaut wird, man hat zusammen schwierige Projekte überstanden. Dazu kommt die nüchterne Seite: Es gibt niemanden, der die Arbeit übernimmt, und die Suche dauert Monate.

Beide Gründe sind echt. Sie werden nur nicht besser, wenn man wartet. Der Ersatz ist in sechs Monaten genauso schwer zu finden, und die Nähe wird mit jedem Monat größer.

2. Der eigentliche Schaden entsteht woanders

Die Rechnung, die ich damals aufgemacht habe, ging um Leistung. Was er leistet, was er kostet, was ein Ersatz kosten würde. Diese Rechnung greift zu kurz.

Der Schaden entsteht beim Rest des Teams. Leute, die mehr leisten, sehen, was ausreicht. Jemand, der ein Problem meldet, sieht, dass nichts passiert. Und irgendwann fragen sich die Besten, warum sie sich anstrengen sollen.

Ich habe in dieser Zeit keine Kündigung bekommen. Ich habe etwas Schlimmeres bekommen: eine stille Anpassung nach unten.

3. Was vor einer Trennung passieren muss

Fairness heißt nicht, lange zu warten. Fairness heißt, dass die Person die Chance hatte, es zu ändern. Dazu gehört ein Gespräch, in dem drei Dinge stehen:

  • Was konkret nicht passt, an Beispielen und nicht als Eigenschaft. Nicht unzuverlässig, sondern drei verpasste Zusagen mit Datum.
  • Was sich bis wann ändern muss, mit einer Frist, die realistisch ist, meistens vier bis acht Wochen.
  • Was passiert, wenn es sich nicht ändert. Dieser Satz fällt am häufigsten unter den Tisch, und ohne ihn ist das Gespräch unverbindlich.

Wenn die Frist verstreicht, ist die Entscheidung bereits getroffen worden, und zwar von beiden Seiten.

4. Wie das Gespräch selbst abläuft

Kurz. Der Grund wird einmal genannt und danach nicht mehr diskutiert, weil jede Diskussion den Eindruck erweckt, die Entscheidung sei verhandelbar. Das ist unangenehm, aber ehrlicher als eine halbe Stunde Rechtfertigung, nach der das Ergebnis trotzdem feststeht.

Was geht: zuhören, Fragen beantworten, über die Umsetzung sprechen. Was nicht geht: Mitleid als Ersatz für Klarheit, oder Gründe nachschieben, die vorher nie Thema waren.

Praktisch, aber wichtig: nicht am Freitagnachmittag. Wer am Freitag gekündigt wird, sitzt das Wochenende allein damit. Dienstag oder Mittwoch gibt der Person die Möglichkeit, noch am selben Tag mit jemandem zu sprechen und offene Dinge zu regeln.

5. Was danach kommt

Nach der Trennung verändert sich im Team etwas, und zwar meistens in die Richtung, die man nicht erwartet. Es gab keine Betroffenheit, sondern eine Art Erleichterung, und zwei Wochen später kam jemand mit einem Vorschlag, den er vorher nicht gemacht hatte.

Das heißt nicht, dass Trennungen gut sind. Es heißt, dass eine klar begründete Entscheidung Vertrauen schafft, auch bei denen, die bleiben.

Für mich ist die Lehre nüchtern: Die Frage ist nicht, ob eine Trennung hart ist. Die Frage ist, wie lange ich bereit bin, die Kosten dafür bei anderen abzuladen, damit mir das Gespräch erspart bleibt.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass eine Trennung nötig ist?

Wenn nach einer klaren Ansage mit Frist keine Veränderung eintritt und das Team beginnt, sich an der geduldeten Leistung zu orientieren.

Was kostet es, eine Trennung aufzuschieben?

Vor allem Vertrauen und Leistung bei den anderen. Wer mehr leistet, sieht, was ausreicht, und passt sich mit der Zeit nach unten an.

Wie führt man ein faires Trennungsgespräch?

Kurz, mit einmal genanntem Grund, ohne Diskussion über die Entscheidung, mit Zeit für Fragen und Umsetzung. Nicht am Freitagnachmittag.

Was gehört vor eine Trennung?

Ein Gespräch mit konkreten Beispielen, einer realistischen Frist von vier bis acht Wochen und der ausgesprochenen Konsequenz, wenn sich nichts ändert.

Daniel Rie

Daniel Rie

Unternehmer aus München. Hat von 2019 bis 2026 einen IT-Dienstleister übernommen, saniert und aufgebaut, der 2022 in die VALLEY IT GROUP integriert wurde. Beteiligt sich über DR Partners an mittelständischen IT-Unternehmen. Mehr über mich.

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